Zum Hauptinhalt springen

Berlin is knorke: Muskelregeneration aus dem Labor

Berlin, 26.10.2026 – Der menschliche Körper verfügt über mehr als 650 Muskeln. Wer nun sofort an Muskelpressen in Fitnessstudios oder durchtrainierte Profisportlerinnen und -sportler denkt, darf, um auf der sportlichen Ebene zu bleiben, das Tempo noch einmal etwas rausnehmen. Denn nicht nur Sportlerinnen und Sportler haben Muskeln, jeder Mensch benötigt sie im alltäglichen Leben. Dank ihnen können wir gehen, stehen, sitzen, atmen und sprechen. Das Herz verfügt über Herzmuskelgewebe, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Die sogenannte glatte Muskulatur kommt unter anderem in den Atemwegen oder dem Verdauungstrakt vor, während die Skelettmuskeln an Sehnen und Knochen befestigt sind. Muskelkraft ist unverzichtbar – das weiß auch das Berliner Startup MyoPax GmbH. Und was das Unternehmen laut eigenen Angaben noch weiß: In der Europäischen Union und den USA leiden mehr als 30 Millionen Menschen an schweren Muskelerkrankungen. Diese gehen oftmals mit einem erheblichen Verlust der Muskelfunktion und folglich mit einer stark verminderten Lebensqualität einher. Betroffenen fällt das alltägliche Leben schwerer, womöglich müssen sie ihren Beruf aufgeben. Zudem werden Patientinnen und Patienten häufig nur symptomatisch und unterstützend behandelt, also beispielsweise künstlich beatmet, physiotherapeutisch betreut oder operiert. Um Menschen, die an Muskelerkrankungen leiden, neue Behandlungsperspektiven zu bieten, entwickelt MyoPax regenerative Therapien für lokale Muskeldefekte, akuten Muskelschwund und genetisch bedingte Muskeldystrophien.

Die Kerntechnologie des Unternehmens basiert auf einem patentierten Verfahren zur Isolierung und Kultivierung regenerativer Muskelstammzellen. Dabei werden große und hochreine Populationen von Muskelstammzellen hergestellt, die sogenannten PHSats (Primary Human Satellite Cell-derived Muscle Stem Cells). Diese zeigen regenerative Eigenschaften und konnten in präklinischen Studien neues Muskelgewebe bilden. Patientinnen und Patienten mit lokalen Muskeldefekten sollen dafür körpereigene Muskelstammzellen entnommen werden. Diese werden außerhalb des Körpers vermehrt und anschließend wieder transplantiert. Das Ziel ist die Regeneration des geschädigten Muskelgewebes. Den PHSat-Phänotyp nutzt MyoPax für die Entwicklung neuer Zelltherapien.

Neben der Behandlung lokaler Muskeldefekte entwickelt MyoPax zwei weitere Therapieansätze. Der erste, basierend auf der PHSats-Technologie, nutzt körpereigene Zellen der Patientinnen und Patienten und wird unter dem Namen Satori entwickelt. Der zweite Ansatz nutzt gentechnisch optimierte induzierte pluripotente Stammzellen (hiPSCs) als standardisierte Spenderzellen und soll künftig als sofort verfügbare („off-the-shelf“) Therapie, beispielsweise für akute Muskelerkrankungen, eingesetzt werden können.

 Sie sollen als standardisierte Zelltherapie zur Regeneration von geschädigtem Muskelgewebe bei Betroffenen eingesetzt werden. Die dritte Therapieplattform trägt die Bezeichnung Satgeno und adressiert die Behandlung erblicher Muskeldystrophien. Dafür werden krankheitsverursachende genetische Mutationen korrigiert. Die genetisch reparierten Muskelstammzellen werden mit der PHSats-Technologie vermehrt und sollen den Patientinnen und Patienten anschließend injiziert werden. Ziel ist es, gesundes Muskelgewebe aufzubauen und sowohl Muskelstruktur als auch -funktion langfristig wiederherzustellen.

MyoPax wurde 2022 als Spin-off der Charité - Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in der Helmholtz-Gemeinschaft gegründet. Zu den wissenschaftlichen Gründerinnen gehören die Ärztin Verena Schöwel-Wolf und die Neurologin sowie Professorin Simone Spuler. Der Entwicklung der Muskelstammzelltechnologie des Unternehmens ging die jahrelange Forschungsarbeit von Spuler und ihrer Arbeitsgruppe „Myologie“ am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) voraus. Eine erste klinische Erprobung eines Therapieansatzes von MyoPax am Menschen befindet sich derzeit in Vorbereitung.  

Im Oktober 2026 erhielten sie als erstes Unternehmen eine Finanzierung aus der neuen B# Plus-Initiative der IBB Ventures für Deeptech-Start-ups mit Gründerinnen. Für Verena  Schöwel-Wolf ist dieses Investment ein wichtiger Meilenstein in einer entscheidenden Wachstumsphase.

Zusätzlich durften sich die Gründerinnen und ihr Team über die Auszeichnung mit dem Deep Tech Award der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe freuen. Der Preis zeichnet Berliner Unternehmen in den Bereichen fortschrittliche und transformative Technologie aus, die wissenschaftliche Forschung für den gesellschaftlichen Nutzen anwendbar machen.

Dies unterstreicht einmal mehr das Potenzial der Technologie von MyoPax – könnte sie Menschen, die an Muskelerkrankungen leiden, doch künftig neue Behandlungsperspektiven eröffnen.

TeilenShare

Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit

24.04.2025
VORN – The Berlin Fashion Hub bringt im Bikini Berlin seine Netzwerkmitglieder zusammen.

Weiterlesen

FIBE 2025

09.04.2025
Vom 9. bis 10. April 2025 zeigt das FIBE-Festival erneut Berlins Stärke als führender FinTech-Standort

Weiterlesen

Wie zirkulär wirtschaften Berliner Unternehmen?

08.04.2025
Im Interview: Robin Bruck, Manager Klimaschutz und Circular Economy bei Berlin Partner

Weiterlesen

Women in Aerospace

03.04.2025
Empowering all Women, in Space and on Earth: Das ist das Motto des Frauen-Netzwerks der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Weiterlesen

Berlin is knorke: Batteriezellen der nächsten Generation

31.03.2025
Für eine nachhaltige Zukunft: neue Batterietechnologien aus Berlin

Weiterlesen

Europas größter Makerspace

21.03.2025
MotionLab.Berlin wird neuer Betreiber von Europas größtem Makerspace, der auf dem Modell-Campus ringberlin entsteht.

Weiterlesen