Berlin is knorke: Verbundwerkstoffe aus dem 3D-Drucker
Berlin, 31. August 2026 - Was haben Flugzeugrümpfe, Fahrzeugdächer, Elektrofahrzeuge, Prothesen und Rotorblätter gemeinsam? Expertinnen und Experten könnten diese Frage sicherlich in all ihrer Ausführlichkeit beantworten. Stark vereinfacht handelt es sich dabei um Verbundwerkstoffbauteile, die aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften in unterschiedlichen Hochleistungsanwendungen eingesetzt werden. Sie zeichnen sich durch ein vergleichsweise geringes Gewicht, eine hohe Festigkeit und Steifigkeit sowie spezielle mechanische Eigenschaften aus. Die konventionelle Herstellung der Bauteile basiert auf einer ganzen Reihe an Fertigungsverfahren, bei denen, je nach Anforderungen, unterschiedliche Materialien und Prozesse zum Einsatz kommen. Je nach Verfahren können dabei ein hoher Arbeitsaufwand, lange Entwicklungszyklen und folglich begrenzte Flexibilität entstehen. Herausforderungen, denen das Berliner Startup Endless Industries GmbH mit integrierten Fertigungssystemen für die automatisierte Herstellung der Bauteile begegnet.
Endless Industries wurde als Spin-off der Technischen Universität Berlin gegründet. Zu den drei Gründern zählen Stephan Knopf, Dr. Mathias Czasny und Dr. Moritz-Ebeling-Rump. Die Arbeit des DeepTech-Startups basiert nach eigenen Angaben auf jahrelanger Forschung an Materialien und Software. Das Ziel der Gründer und ihres Teams ist die Serienfertigung für Branchen wie unter anderem die Luft- und Raumfahrt, die Orthopädietechnik oder die Verteidigungsindustrie. Das Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitenden wird durch das EXIST-Forschungstransfer-Programm, die Investitionsbank Berlin und Atlantic finanziert. Im Mai dieses Jahres wurde das Startup mit dem Deep Tech Award 2026 der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe in der Kategorie „Advanced Manufacturing“ ausgezeichnet.
Der durchgängige, digitale Fertigungsprozess von Endless Industries basiert auf eigens entwickelten proprietären thermoplastischen Endless-Fiber-Materialien, patentierten Prozessköpfen und der Designsoftware Akio. Die Software steuert den gesamten Fertigungsprozess. Dieser umfasst drei Schritte. Zunächst werden bestehende Maschinen mit den Prozessköpfen und den Endless-Fiber-Materialien ausgestattet. Die Software plant in einem zweiten Schritt automatisch den optimalen Faserverlauf und berücksichtigt dabei im Vorfeld definierte Anforderungen. Die Maschinen fertigen die Verbundwerkstoffbauteile anschließend ebenfalls vollautomatisch und entsprechend des berechneten Faserlayouts. Damit die Endless-Fiber-Materialien leichter in bestehende industrielle Produktionsumgebungen integriert werden können, verbindet das Unternehmen sie mit bewährten technischen Kunststoffen. Dies hat den Vorteil, dass die wesentlichen Eigenschaften der Materialien bestehen bleiben und der Prozess bereits auf Werkstoffebene definiert wird. Die patentierten Prozessköpfe sind speziell für die Verarbeitung vorimprägnierter Endlosfaser-Filamente konzipiert. Sie führen Faser und Matrix präzise zusammen. Die gleichmäßige Verarbeitung wird unter anderem durch definierte Druck- und Temperaturzonen und eine integrierte Schneideinheit gewährleistet. Im Gegensatz zu herkömmlichen additiven Fertigungsverfahren werden durch das Fertigungsverfahren von Endless Industries nicht nur Kunststoffschichten aufgebaut, sondern kontinuierliche Endlosfasern gezielt in ein Bauteil integriert. Die Vorteile dabei sind die automatisierte und reproduzierbare Herstellung leichter, hochfester Verbundwerkstoffbauteile sowie die Einsparung von Material, Abfall und Ressourcen.
Um seine Technologie industriell nutzbar zu machen, ist das Startup im April dieses Jahres eine Technologie-, Vertriebs- und Servicepartnerschaft mit der BigRep GmbH, nach eigenen Angaben ein weltweit führender Anbieter im Bereich der großformatigen additiven Fertigung, eingegangen. BigRep ist ebenfalls in Berlin ansässig. Während Endless Industries das Endlosfaser-System, bestehend aus Prozesskopf, Materialien und Softwareplattform, liefert, stellt BigRep mit dem BigRep IPSO 105 die Druckhardware sowie darüber hinaus eine globale Service- und Vertriebsstruktur. Zunächst liegt der vertriebliche Schwerpunkt beider Unternehmen auf der DACH-Region, ein Ausbau des Partnernetzwerks in den USA, Australien und Asien ist für 2027 bis 2028 geplant. Es lohnt sich somit, aufmerksam zu beobachten, wie sich die Partnerschaft der Berliner Unternehmen und insbesondere die Marktetablierung von Endless Industries weiterhin entwickeln.