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Krisenmanagement 2.0

Berlin, 30. April 2026 – Mit einem solch turbulenten Start in das neue Jahr hatten viele Berlinerinnen und Berliner wohl nicht gerechnet. Im Januar 2026 waren zunächst rund 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen[1] in Zehlendorf, Nikolassee, Wannsee und Lichterfelde bei eisigen Temperaturen mehr als vier Tage von einem Strom- und Heizungsausfall betroffen. Im Februar mussten schließlich etwa 31.000 Haushalte und 2.000 Betriebe in Köpenick[2] mehr als 30 Stunden ohne Strom auskommen. Während in Köpenick Bauarbeiten, bei denen Haupt- und Ersatzstromkabel gleichzeitig beschädigt wurden, der Auslöser für den Blackout waren, versetzte Teile des Berliner Südens ein Brand an einer Kabelbrücke nahe des Kraftwerks Lichterfelde ins Dunkle. Die Behörden gehen von einem gezielten Brandanschlag aus.[3] Schäden durch Bauarbeiten, ein Brandanschlag – verschiedene, reale Szenarien wie diese legen dieselbe Erkenntnis offen: wie abhängig Zivilgesellschaft und Wirtschaft von stabil funktionierenden, hochvernetzten Versorgungssystemen sind.

Um Krisenszenarien realitätsnah zu simulieren, technologische Lösungen zu erproben und die Zusammenarbeit verschiedener Akteurinnen und Akteure im Sicherheitskontext zu verbessern, hat das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS im März 2026 das SIRIOS Lab eröffnet. Dabei handelt es sich um eine hochmoderne Forschungs- und Demonstrationsumgebung für vernetzte Sicherheitssysteme mit großer Visualisierungsfläche, immersiver Medientechnik und einem flexiblen Raumkonzept. SIRIOS steht für „Security of Socio-Technical Systems“. Das Forschungslabor ist eine Weiterentwicklung des seit über zehn Jahren erfolgreich betriebenen safety labs am Fraunhofer FOKUS. Die Notwendigkeit moderner Sicherheitsforschung machen der großflächige Stromausfall in Berlin, aber auch das katastrophale Hochwasser im Ahrtal oder Extremwetter in ganz Deutschland mehr als deutlich. Zugleich dienen sie im SIRIOS Lab aber auch als Vorlage für die Abbildung möglicher  (worst case-) Szenarien, die vor Ort simuliert, visualisiert und analysiert werden. Der Ausfall kritischer Infrastrukturen, Naturkatastrophen, Evakuierungsmaßnahmen oder Krisenkommunikation: das Lab zeigt Abläufe und technische Zusammenhänge auf, demonstriert reale Gefahrensituationen und bietet Akteurinnen sowie Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Industrie und Forschung die Möglichkeit, Forschungsbedarfe zu identifizieren und die gemeinsame Weiterentwicklung eines wirksamen Krisenmanagements anzustoßen. Insbesondere die realitätsnahe Simulation soll in diesem Kontext zu mehr Resilienz und folglich mehr Handlungsfähigkeit führen.

Mit Blick auf Resilienz ist das Zusammenspiel von mehreren Technologien essentiell für den Erfolg. Deshalb steht das Cluster IKT, Medien und Kreativwirtschaft der Länder Berlin und Brandenburg im Austausch mit Forschungseinrichtungen und Universitäten, so wie in diesem Fall mit dem Fraunhofer FOKUS. Projekte in Richtung Stärkung der Kritischen Infrastrukturen begannen schon während der Corona Epidemie. Anwendungsorientierte Forschung eröffnet neue Chancen am Markt und Konsortien von Innovationsprojekten repräsentieren oft neue Wertschöpfungsketten, die nach dem Proof of Concept direkt am Markt gemeinsam wirken können. Berlin Partner unterstützt bei dieser Konsortien-Bildung durch das weitreichende Netzwerk zu Wirtschaftsakteuren von Startups und KMUs bis Großunternehmen. Das Vorläufer-Projekt des SIRIOS Labs mit dem gleichnamigen Titel zählt als Lead User Innovationsprojekt, dass sich insbesondere auf die Sicherheit bei Großveranstaltungen und Katastrophenprävention konzentrierte. Heute können Resultate und Sicherheitstechnologieentwicklungen des Fraunhofer SIRIOS Projektes direkt im SIRIOS Lab demonstriert werden. Hierbei handelt es sich um genau jene Technologien, die zu mehr Sicherheit von Großveranstaltungen in der Metropole führen könnten.

Stichwort Resilienz: Was wäre, wenn? Derzeit entsteht ein erstes Show-Szenario, das die Folgen eines schweren Unwetters mit anschließendem Stromausfall demonstriert.Dabei werden verschiedene Perspektiven beleuchtet: die der Bevölkerung und jene von Krisen-Leistellen wie Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und THW (BOS), Krisenstab sowie Versorgungs- und Dienstleistungssystemen wie unter anderem Energieversorgung, Gesundheitswesen, Verkehr und Logistik (KRITIS). Ziel ist es, grundlegende Fragen für „Wenn-Fälle“ zu beantworten: Wie muss der Informationsfluss sein, wie wird die Bevölkerung involviert, welche Relevanz haben IT-Lösungen, welche Plattformen im Bereich Freiwilligenmanagement oder Social Media können genutzt werden? Das Ziel ist es, im Laufe des Jahres 2026 weitere Szenarien darzustellen, auszuwerten und möglichen Krisen somit vorbereitet(er) entgegenzutreten – ganz gleich, zu welcher Jahreszeit.

© Fraunhofer FOKUS / Marc Frommer

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